Mehr als Kirchgang und Kaffeeklatsch – Der Ursberger Frauenbund boomt

Wie der Katholische Frauenbund seit Ellen Ammann Menschen verbindet und bewegt
Datum: 29. Juni 2026, 10:50 Uhr
Elfriede Stegherr (Mitte) bespricht mit einem Team interessante Ausflugsziele für die Herbstsaison.

Ursberg / 29. Juni 2026 – „Schwesterherz! Frauen retten Bayern“ lautet der Titel der Bayerischen Landesausstellung, deren Ausstellungsort 2027 in Ursberg sein wird. Ob Kriege, Hungersnöte oder soziale Ungleichgewichte – häufig waren es Frauen, die Netzwerke bildeten, um der Not Herr zu werden. In Bayern beispielsweise Therese von Bayern, die sich stark in Bildungs- und Wohltätigkeitsprojekten engagierte, Karoline Gerhardinger, die Gründerin der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau, oder Maria Theresia Scherer als Mitbegründerin der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz. Auch der Bayerische Katholische Frauenbund und seine Gründerin Ellen Ammann, steht in genau dieser Tradition. Nicht angestaubt und sittsam-brav, wie es der Name heute leicht vermuten lässt, sondern selbstbewusst als eine ihrer tragenden Kräfte. Wer also fragt, ob Frauen Bayern gerettet haben, sollte sich lieber fragen: Was wäre, wenn sie es nicht getan hätten?

Stimmengewirr und Besteckklappern, fröhliches Gelächter, laute Grüße von Tisch zu Tisch und an einem davon wird auch in Gebärdensprache kommuniziert. Beim „Ü60 Mittagstisch“ geht es hoch her. Organisiert von Elfriede Stegherr und ihren Mitstreiterinnen vom Frauenbund Ursberg findet der „Ü60 Mittagstisch“ regelmäßig in wechselnden Räumlichkeiten statt. Ungefähr 60 Menschen kommen so jedes Mal zusammen und es sind beileibe nicht nur die schön geschmückten Tische oder das leckere Catering, das die Senioren in so großer Zahl zusammenkommen lässt. „Es sind die Begegnungen, die Wiedersehensfreude der Stammgäste und der gesellige Austausch, den unsere Gäste hier so schätzen“, weiß Elfriede Stegherr. Und tatsächlich scheint hier das Schlagwort von der „Einsamkeit im Alter“ völlig fehl am Platz zu sein. Es wird munter geplaudert, geratscht und genetzwerkt.

Einmal etwas Sinnvolles tun
Während ein Großteil der katholischen Frauenverbände in den vergangenen Jahren stark fallende Mitgliederzahlen beklagt, wächst der katholische Frauenbund Ursberg geradezu rasant. Und das, nachdem er 2021 kurz vor der Auflösung stand. Elfriede Stegherr, jahrelang eher passives Mitglied, ergriff damals die Initiative. Mit einer flammenden Rede rüttelte sie die Komiteemitglieder auf und fand sich plötzlich als Teil des Führungsteams wieder: „Ich hatte damals gerade eine sehr ernste Krebserkrankung überstanden. Während alles noch Spitz auf Knopf stand und die Ärzte nicht sicher waren, ob ich es schaffen würde, wuchs in mir ein Gedanke: Wenn ich mit dem Leben davonkommen sollte, wollte ich noch einmal etwas wirklich Sinnvolles machen. Der Frauenbund schien mir dafür der richtige Ansatz.“ Theaterfahrten, Fahrradtouren, Vorträge zur politischen Bildung und der Besuch des Bayerischen Landtages, Ausflüge nach Rom und Südtirol, Rathaussturm am Gumpigen Donnerstag – als Organisatorin aus Leidenschaft stellt Elfriede Stegherr ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine.

Alle wollen zum Frauenbund
Das kommt so gut an, dass der Frauenbund Ursberg seine Mitgliederzahlen in den folgenden drei Jahren um mehr als 25 Prozent erhöhen konnte. „Seit November 2021 sind wir von 75 Mitgliedern auf aktuell 108 Mitglieder angewachsen“, freut sich Elfriede Stegherr. Als großes Vorbild fällt ihr sofort die Mitbegründerin des Bayerischen Katholischen Frauenbundes, Ellen Ammann, ein: „Das war einfach eine großartige Frau. Sie hat die Missstände im München der 1920er Jahre nicht nur gesehen, sondern ihre Stimme erhoben, sich engagiert und auch persönlich angepackt. Sie hat den Marianischen Mädchenschutzverein gegründet und die Münchner Bahnhofsmission. Sie hat sich politisch engagiert und war maßgeblich an der Verhinderung des Hitler-Putsches 1923 beteiligt. Ich habe den Eindruck, dass gerade jetzt so tatkräftige, unerschrockene Frauen unserem Land auch wieder guttun würden.“ 

Weiter aktiv und engagiert
Der „Ü60 Mittagstisch“ ist inzwischen beim Nachtisch angekommen. Manche der Seniorinnen und Senioren rüsten bereits zum Aufbruch. Elfriede Stegherr schüttelt Hände und verweist gelegentlich auf kommende Aktionen, die der Frauenbund mit gewohntem Engagement anpacken will. So soll der Frauenbund auch zukünftig eine starke Stimme im politischen und gesellschaftlichen Leben vor Ort sein. Einmal mehr ein Beweis, wie lebendig und wichtig seine Arbeit für die Gemeinschaft ist.

Petra Nelhübel, Dominikus-Ringeisen-Werk

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